„Wenn Sie dieses Medikament nicht nehmen, werden Sie nie gesund.“ Hunderte von Patienten haben mir berichtet, dass sie von ihrem Psychiater, Psychotherapeuten oder Hausarzt mit dieser Aussage konfrontiert wurden. Doch entspricht diese Aussage wirklich der Wahrheit?

Dieser Blogartikel klärt über die aktuelle Studienlage auf und somit auch darüber, wie große die Kluft ist, die zwischen der gängigen Meinung vieler Behandler und den tatsächlich messbaren Fakten liegt. Denn Antidepressiva sind keineswegs so hilfreich, wie oft behauptet wird. Würde ein ärztliches Aufklärungsgespräch darüber, ob Antidepressiva für Sie in Frage kommen oder nicht, so durchgeführt werden, dass es dem derzeitigen Stand der Forschung entspricht, dann müsste es nämlich in etwa so ablaufen:

Patient:

Herr Doktor, bitte verraten Sie mir, wie hilfreich sind Antidepressiva wirklich bei Depressionen?

Arzt:

Anhand von klinischen Studien wissen wir heute, dass Antidepressiva bei leichten, mittelschweren und nicht allzu schweren Depressionen nicht besser helfen, als Placebos (also harmlose Zuckerpillen ohne jeden Wirkstoff). Es gibt somit eine konkrete Chance von gerade mal 14%, dass es Ihnen durch die Einnahme von Antidepressiva etwas besser geht. Entscheiden Sie bitte selbst, ob Sie für so eine geringe Wahrscheinlichkeit das Risiko der Nebenwirkungen in Kauf nehmen wollen, das ebenfalls mit diesen Medikation einhergehen. Zumal diese in Summe deutlich häufiger auftreten, als der positive Effekt.

Das wäre die fachlich korrekte Antwort auf Grund der aktuellen Studienlage und somit ziemlich genau das Gegenteil von: „Nehmen Sie die Medikamente, sonst werden Sie nie gesund.“

Ein ausführlicher Fachartikel, der dies bestätigt und auch die entsprechenden Studien genau aufschlüsselt, ist übrigens 2018 im Psychotherapeutenjournal erschienen. Den link dazu finden Sie HIER.

Diese beiden Nebenwirkungen treten bei Antidepressiva überdurchschnittlich oft auf:

Da die Liste an möglichen Nebenwirkungen leider lang ist und ich Sie, lieber Leserinnen und Leser, zwar aufrütteln, aber nicht unnötig beunruhigen will, beschränke ich mich in diesem Artikel nur auf die beiden Nebenwirkungen, die besonders häufig auftreten, nämlich Schlaflosigkeit und sexuelle Funktionsstörungen.

Schlaflosigkeit

Laut einem 2018 erschienen Fachartikel in der „Deutschen Apotheker-Zeitung“, den ich ebenfalls HIER für Sie verlinkt habe, führen die 5 meistverordneten Antidepressiva (Citalopram, Venlafaxin, Mirtazapin, Sertralin, Amitriptylin) Schlaflosigkeit als unerwünschte Nebenwirkung auf. Bei der am häufigsten verschriebenen Substanz „Citalopram“ kann dies laut Beipackzettel „sehr häufig“, also in 10 bis 100 % der Fälle auftreten. Auch das häufig verschriebene „Escitalopram“ ist betroffen. Außerdem wurden bei all diesen Medikamenten auch Albträume oder ungewöhnliche Trauminhalte beobachtet.

Sexuelle Funktionsstörungen

Viele Antidepressiva zählen zur Gruppe der SSRIs, also der selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmer. Sie sollen dafür sorgen, dass der Serotonin-Spiegel im Gehirn steigt.  Doch dummerweise gibt es keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass depressive Menschen überhaupt an einem Serotoninmangel leiden. Viele haben sogar einen deutlich höheren Wert als »gesunde« Menschen. 2012 wurde in Deutschland sogar ein Antidepressium zugelassen (Tianeptin), dass den synaptischen Spalt von Serotonin befreit, um depressiven Menschen zu helfen. Fakt ist, dass bis heute keine Verbindung zwischen Glücksempfinden und einem höheren Serotoninwert nachgewiesen werden konnte. Wer viel Serotonin im Gehirn hat, ist somit nicht zwingend glücklicher als andere.

Was jedoch sehr wohl nachgewiesen werden konnte, ist, dass ein künstlich erhöhter Serotoninspiegel häufig zu sexuellen Funktionsstörungen führt. So haben laut einem Fachartikel, der bereits 2011 in der Ärztezeitung erschienen ist, etwa 59 Prozent aller Patienten mit einer antidepressiven Medikation mit sexuellen Beeinträchtigungen zu kämpfen. Besonders häufig betroffen sind dabei Anwender folgender Präparate:

  • Citalopram,
  • Clomipramin,
  • Escitalopram,
  • Fluoxetin,
  • Fluvoxamin,
  • Mirtazapin,
  • Paroxetin,
  • Sertralin
  • und Venlafaxin

– allesamt Medikamente, die den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen. Auch diesen Artikel habe ich HIER für Sie verlinkt.

Fazit:

Antidepressiva helfen längst nicht so gut, wie von ärztlicher Seite vielfach behauptet wird. Sollten Sie bereits solche Medikamente einnehmen und mit dem Gedanken spielen, diese abzusetzen, so machen Sie dies aber bitte NUR UNTER ÄRZTLICHER AUFSICHT. Ganz wichtig ist dabei, dass Sie die Medikamente langsam ausschleichen, denn bei abruptem Absetzen besteht eine erhöhte Gefahr des sogenannten „Absetzsyndroms“. Doch dazu und auch über das mögliche Risiko einer Gewichtszunahme durch Antidepressiva in einem der nächsten Blogartikel mehr.

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